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Grundlegenden Normenwerke und Klassifizierungen

INFO
Geschichte des Blitzschutzes
Der Blitzschutz geht auf Benjamin Franklin zurück, der 1752 mit seinem Experiment die elektrische Natur des Blitzes erkannte. Kurz danach entstand der erste Blitzableiter, der weltweit rasch Verbreitung fand. Kirchen, Türme und öffentliche Gebäude waren die ersten geschützten Bauwerke. Im 20. Jahrhundert wurde Blitzschutz durch zunehmende Elektronik immer wichtiger, und der innere Blitzschutz entwickelte sich stark weiter.
⚠️ Wichtige Hinweis
LPS ist der international gebräuchliche Fachbegriff für Blitzschutzanlage
es steht für Lightning Protection System und bezeichnet das gesamte Blitzschutzsystem einer baulichen Anlage. Seine Hauptaufgabe ist es, Gebäude, Anlagen und Personen vor den physikalischen Schäden eines direkten Blitzeinschlages zu schützen.

Die Blitzschutzklasse ist die Anforderung, wie gut oder wie widerstandsfähig dieses LPS gebaut werden muss.

Blitzschutzklasse bestimmt das Maschennetz:
Normen
Herausgeber
Normerklärung
Normen
SNR 464022 / SN EN 62305 (Teil 1 4)
Herausgeber
Electrosuisse / SES (Schweizer Normenregel)
Normerklärung
Dies ist die zentrale Blitzschutznorm in der Schweiz. Sie basiert auf der europäischen EN 62305 und umfasst die Grundlagen des Blitzschutzes, die Risikoanalyse, den baulichen Schutz (äusserer Blitzschutz) sowie den Schutz elektrischer und elektronischer Systeme (innerer Blitzschutz). Sie definiert Anforderungen an Planung, Installation, Berechnung, Dokumentation und Kontrolle.
Normen
NIN Niederspannungs-Installationsnorm
Herausgeber
Electrosuisse / ESTI
Normerklärung
Regelt elektrische Installationen in Gebäuden. Enthält Anforderungen zum inneren Blitzschutz und zur Installation von Überspannungsschutzgeräten (SPD Typ 1 3). Bestimmt, wann Überspannungsschutz obligatorisch ist und wie der Potentialausgleich im Zusammenhang mit Blitzschutz auszuführen ist.
Normen
VKF Brandschutzrichtlinien
Herausgeber
Vereinigung Kantonaler Feuerversicherungen (VKF)
Normerklärung
Regeln die brandschutztechnischen Anforderungen an Gebäude. Bestimmen, in welchen Gebäudekategorien ein äusserer Blitzschutz zwingend erforderlich ist (z. B. Hochhäuser, Gebäude mit grosser Personenbelegung, explosionsgefährdete Anlagen). Ergänzen baurechtlich die technischen Normen zum Blitzschutz.
Normen
ESTI-Richtlinien & Weisungen
Herausgeber
Eidgenössisches Starkstrominspektorat (ESTI)
Normerklärung
Enthalten nationale Regeln zur Sicherheit elektrischer Anlagen. Relevant für inneren Blitzschutz, Erdungsanlagen, Blitzstromableitung und Schutz gegen Überspannungen. Ergänzen und konkretisieren die NIN in Fällen mit erhöhtem Gefährdungspotenzial oder speziellen Installationssituationen.
Normen
SIA 385 / SIA 180 (teilweise relevant)
Herausgeber
Schweizerischer Ingenieur- und Architektenverein (SIA)
Normerklärung
Diese Normen behandeln zwar nicht direkt den Blitzschutz, enthalten aber Vorgaben zu Erdungsanlagen, Gebäudetechnik, Feuchteschutz und energetischen Anforderungen. Der Blitzschutz muss bei Planung und Integration von Gebäudekomponenten berücksichtigt werden, insbesondere bei Fundamenterdern, Leitungsführung und thermischer Gebäudehülle.
Klasse
Klasse
Geltungsbereich
Geltungsbereich
Anforderung
Anforderung
Klasse
Klasse I
Geltungsbereich
  • Gebäude mit sehr hohem Risiko
  • Explosionsgefährdete Anlagen
  • Rechenzentren / kritische Infrastruktur
  • Hochhäuser über 60 m
  • Industrie mit gefährlichen Stoffen
Anforderung
Klasse I bietet den höchsten Schutzgrad. Sie verlangt besonders dichte Fang- und Ableitstrukturen, eng abgestufte Erdungssysteme und strenge Abstände zu metallischen Teilen. Die Anlage muss höchste Blitzströme sicher ableiten und maximale Sicherheit gewährleisten

  • Höchster Schutz 3 kA / 200 kA Blitzstrom (Scheitelwert min./max.)
  • Fangwahrscheinlichkeit 98 %
Klasse
Klasse II
Geltungsbereich
  • Gewerbebauten mit erhöhtem Risiko
  • Grosse Versammlungsräume
  • Öffentliche Gebäude
  • Hotels und Schulen
  • Mittlere Industriebauten
Anforderung
Klasse II bietet einen sehr hohen Schutz und wird eingesetzt, wenn ein erhöhtes Personen- oder Sachrisiko besteht. Die Anforderungen umfassen robuste Fangleitungen, optimierte Ableitwege und eine verstärkte Erdungsstruktur, um starke Blitzströme sicher zu beherrschen.

  • Hoher Schutz 5 kA / 150 kA Blitzstrom (Scheitelwert min./max.)
  • Fangwahrscheinlichkeit 95 %
Klasse
Klasse III
Geltungsbereich
  • Wohnbauten
  • Mehrfamilienhäuser
  • Bürogebäude
  • Landwirtschaftliche Gebäude
  • Gewerbehallen ohne besondere Gefährdung
Anforderung
Klasse III deckt durchschnittliche Risiken ab. Die Blitzschutzanlage muss typische Blitzströme sicher führen, ausreichende Fangvorrichtungen bereitstellen und normgerechte Erdung gewährleisten. Diese Klasse ist der häufigste Standard in der Schweizer Baupraxis.

  • Mittlerer Schutz 10 kA / 100 kA Blitzstrom (Scheitelwert min./max.)
  • Fangwahrscheinlichkeit 88 %